Herdentierhaarallergiker

#SATIRE #KABARETT
#POLEMIK #DIY-RAP

EINE PARADOXE REAKTION

Allergisch auf Geblöke – nicht von Schafen. Von Meinungen, die in der Masse widerhallen. Statt von zerebralem Synapsenbrand gelähmt zu sein, greift der Herdentierhaarallergiker zu Analysen und eigenwilliger Meinungsbildung gegen den Einfluss der Herde.

Doch Moment mal …
Ist sich von der Herde zu lösen und andere überbrüllzeugen zu wollen, nicht schon der Beginn einer neuen? Einer neuen Herde gegen die alte Herde? Was bleibt, ist ein Kreislauf aus Widersprüchen von Herden – ein ewiges "Wir gegen die", das genau das nährt, was es eigentlich bekämpfen will.

Die Lösung? Bestimmt keine weitere Aga-Uga-Stammesbildung. Kein weiteres Wählen aus einer Handvoll alternativer Smartphone-Hüllen, um die individuelle Vielfältigkeit wie ein Dickpic jedem aufzuzwingen, der nicht danach gefragt hat.

Reicht eine Veränderung? Vielleicht liegt das Ziel ja irgendwo zwischen Blöken und Denken – müssen wir lernen, zu Döken? Zu Blönken? Ich weiß es doch auch nicht ...

PODCAST & MUSIK

Eine Vorbemerkung:

Kunst braucht Luft. Und die gibt’s nicht zwischen Like-Buttons und Trend-Challenges. Deswegen sind hier auch nicht alle möglichen Social-Media-Plattformen verlinkt oder verwendet worden, sondern nur die, auf denen die Form wirklich passt. Vor allem also Videoplattformen und Podcasts – Sie bieten Raum für (mehr) Tiefe – oder, weniger hochtrabend, für Bögen, die man darin eben spannen kann. Auch lässt sich darin realistischer differenzieren, was durchaus notwendig ist. Mehr Langstreckennachdenkflugkörper statt popeliger Pointenplatzpatronen.

Außerdem ziele ich eher darauf ab, Gedankengängen nachzujagen statt Algorithmen. Im Feed verpufft schon genug – das muss ich nicht auch noch. Kurz: Ich weigere mich, ein ballaststoffarmer Content-Schlabberhappen zu sein, mit dem man sich im Fraß-Guck-Feed-Schnellrestaurant vergiftet. Und: Wer überall ist, ist oft auch nirgends.

Vielleicht werde ich irgendwann auch wieder auf Bühnen sein, wenn es sich richtig anfühlt und jemand meint, es könnte passen. Bis dahin: ...

ÜBER

Der Herdentierhaarallergiker (HtHa) ist jemand, der auf Herdentiere, deren Haare oder blind übernommene Ansichten reagiert. Symptome wie "Synapsenbrand", Ausraster und Fluchtimpulse treten dann auf. Früher war die Allergie selten ein Problem, doch durch die wachsende Zahl der Herdentiere wird sie immer belastender. Die einzige Linderung bietet Rebellion: eigenständiges Denken, Analysieren und Urteilen. Nach diesem Anti-Allergie-Mix kehrt vorübergehend Ruhe ein – bis zum nächsten Kontakt mit der Herde.

Peter Thielmann (Bochumer, Jahrgang 1980), Schöpfer der Kunstfigur des HtHa_s, ist … Kabarettist. Oder so ähnlich. Inspiriert von Dieter Hildebrandt, Georg Schramm und Hagen Rether, wagte er ab 2007 erste Schritte bei Poetry Slams – die sich aber nicht wirklich passend anfühlten. Also zog er weiter, durchstreifte die offene Bühnenlandschaft und gründete 2014 seine eigene im Bochumer Café Treibsand. Dort bot er bis 2020 einen unvergleichlichen Mix aus Kabarett, Comedy, Literatur und Musik, bis der von den politischen Corona-Maßnahmen beendet wurde.

Es folgte eine Pause. Doch derzeit regt sich die kreative Unruhe. Denn in einer Welt, die an allen Ecken durchdreht, fällt Schweigen immer schwerer.

KONTAKT

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